Rentabilitätsvorschau für Existenzgründer

4. Jul 2013 | Gewerbe

Die Idee, sich selbstständig zu machen, kann durchaus ein verführerischer Gedanke sein. Wenn man sich mit diesem Gedanken trägt, sollte man jedoch frühzeitig prüfen, ob diese Geschäftsidee auch zu einer tragenden Existenz werden kann. Ideen lassen sich schnell ins Blaue spinnen. Die Realität erfordert jedoch konkrete Planungen. Ein wesentlicher Grundstein einer soliden Planung für eine Existenzgründung ist dabei die Rentabilitätsvorschau.

rentabilitaetsvorschau-existenzgruender © Fotolia.com

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Definition Rentabilitätsvorschau

Die Rentabilitätsvorschau, auch Ertragsvorschau genannt, ist mehr oder weniger eine prognostizierte Gewinn- und Verlustrechnung. In der Rentabilitätsvorschau werden alle Kosten aufgeführt, die anfallen, um eine Unternehmung durchzuführen. Diesen Kosten werden dem erwarteten Umsatz gegenübergestellt. Die Differenz von Kosten und Umsatz ergibt den zu erwartenden Gewinn beziehungsweise den zu erwartenden Verlust.

Warum sollte eine Rentabilitätsvorschau erstellt werden?

Eine Rentabilitätsvorschau erstellen ist wichtig, um einen genauen Überblick über alle anfallenden Aufwendungen, die für eine Existenzgründung erforderlich sind, zu bekommen. Besonders bei aufwendigeren Unternehmungen, bei welchen umfangreiche Investitionen erforderlich sind, wie zum Beispiel in der Gastronomie oder im Handwerk, sollte zwingend eine Rentabilitätsvorschau erstellt werden. Aber auch für Freiberufler, die möglicherweise vorwiegend ihre eigene Arbeitskaft einsetzen, ist eine Rentabilitätsvorschau sinnvoll. Auch hier fallen Kosten an, wie beispielsweise für Werbung, Versicherungen etc. Eine Rentabilitätsvorschau hält einen dazu an, sich detailliert mit den Kosten und den möglichen Einnahmen auseinanderzusetzen. Das sollte möglichst konkret und realistisch erfolgen, denn was dabei unter dem Strich herauskommt, ist die Summe, die darüber entscheidet, ob man von seiner Selbstständigkeit leben kann oder nicht.

Zwingend erforderlich wird eine Rentabilitätsvorschau, wenn man einen Gründungszuschuss oder einen Kredit bei einer Bank beantragen möchte. Auch das Arbeitsamt verlangt für seine verschiedenen Förderprogramme in der Regel eine Rentabilitätsvorschau. Sie ist wesentlicher Bestandteil eines Businessplanes, der von fast allen Stellen gefordert wird, die Existenzgründungen unterstützen.

Wichtig ist die Rentabilitätsvorschau auch noch für einen anderen Bereich. Da man zumindest im ersten Jahr der Selbstständigkeit, also vor der ersten Steuererklärung, keinen Einkommensnachweis hat, gilt die Rentabilitätsvorschau auch als Vorlage beispielsweise bei der Krankenkasse und der Rentenversicherungsanstalt zur Ermittlung der zu leistenden Beiträge.

Eine Rentabilitätsvorschau erstellen

In der Regel wird eine Rentabilitätsvorschau für 3 Jahre erstellt. Für die Berechnung müssen verschiedene Bereiche kalkuliert werden:

Investitionen und Kosten für den laufenden Betrieb. Dazu gehören beispielsweise alle erforderlichen Anschaffungen, Miete/Pacht, Personalkosten, Versicherungen, Steuerberatungskosten, Verwaltungskosten, Werbungskosten und natürlich auch eventuelle Zinsleistungen und Rückzahlungen aus Krediten und/oder Fördergeldern. Bei einer Rentabilitätsvorschau für Gastronomie oder für Handwerk, wo in der Regel ein hoher Investitionsbedarf herrscht, ist es ratsam, zuvor einen detaillierten Investitionsplan aufzustellen, um alle erforderlichen Kosten zu ermitteln.

Der zweite Bereich, der kalkuliert werden muss, ist der Bereich der privat anfallenden Kosten. Hierzu gehören beispielsweise Miete, Versicherungen, Telefon, eventuelle private Kreditzahlungen und persönliche Ausgaben. Der Punkt der privaten Aufwendungen wird gern übersehen oder zumindest unterschätzt. Diese Kosten fallen aber an und müssen bezahlt werden. Es ist also durchaus wichtig, realistisch zu kalkulieren, ob diese Kosten – zusätzlich zu den betrieblichen Kosten – durch die selbstständige Tätigkeit erwirtschaftet werden können.

Der dritte Bereich betrifft die Kalkulation des Umsatzes, der gerade am Anfang einer Existenzgründung natürlich nur geschätzt werden kann. Diese Schätzung sollte jedoch möglichst realistisch ausfallen, nicht nur deshalb, weil zu hoch angesetzte Umsatzprognosen zu wirtschaftlichen Problemen führen können, sondern auch, weil daraus höhere Beiträge für die Kranken- und Rentenkasse oder für Steuerberatungsleistungen resultieren können. Zu niedrig angesetzte Prognosen können andererseits jedoch zu erheblichen Nachzahlungen führen.

Hilfe bei der Erstellung einer Rentabilitätsvorschau
Hilfe bei der Erstellung einer Rentabilitätsvorschau findet man unter anderem im Internet. Dort gibt es zahlreiche Vorlagen, Muster und Downloads für eine kostenlose Rentabilitätsvorschau. Auch die zuständige IHK bietet in der Regel Vordrucke und begleitende Hilfe an. Auch wenn das alles erst einmal nach viel Aufwand klingt: Eine Rentabilitätsvorschau rentiert sich allemal! (Autor: Marie Veron)

Rentabilitätsplan für Existenzgründer

Existenzgründer und Unternehmer müssen stets die Rentabilität ihres Unterfangens im Auge behalten. Denn nur ein rentables Unternehmen kann dauerhaft am Markt bestehen. Auch die Liquidität ist ein wesentlicher Aspekt, der über den Erfolg oder Misserfolg einer selbstständigen Tätigkeit entscheiden kann. Sowohl der Rentabilitäts- als auch der Liquiditätsplan sind wesentliche Bestandteile eines Businessplans.

Rentabilität und Liquidität

Die Rentabilität ist das Verhältnis zwischen dem eingesetzten Kapital und dem damit erwirtschafteten Ertrag. Bei der Rentabilitätsbetrachtung ist nicht die Höhe des eingesetzten Kapitals entscheidend, sondern der prozentuale Anteil des Ertrages, der dadurch erwirtschaftet wird. Je höher dieser Anteil ist, desto rentabler und erfolgreicher ist ein Unternehmen. Ein Rentabilitätsplan stellt also praktisch die Erfolgsaussichten bzw. den Erfolg einer Existenzgründung oder eines Unternehmens dar.

Die Liquidität dagegen bezeichnet das Vorhandensein ausreichender finanzieller Mittel, um jederzeit den bestehenden Verbindlichkeiten nachkommen zu können. Eine gute Rentabilität eines Unternehmens führt in der Regel zu einer guten Liquidität, da ein ausreichender Ertrag erwirtschaftet wird. Allerdings muss stets eine sorgfältige Liquiditätsplanung erfolgen, die sowohl kurzfristige, mittelfristige als auch langfristige Verbindlichkeiten berücksichtigt. Dies ist insbesondere deshalb wichtig, da mangelnde Liquidität beziehungsweise eine unzureichende Liquiditätsplanung einer der häufigsten Ursachen für Insolvenzen ist.

Der Rentabilitätsplan

Im Rentabilitätsplan (auch Ertragsvorschau) werden die Einnahmen und Ausgaben gegenübergestellt und somit der Ertrag ermittelt. Hierbei ist zu beachten, dass Ertrag nicht gleich Gewinn ist, da auf diesen Ertrag noch Steuern entrichtet und ggf. gesetzliche Rücklagen etc. erfolgen müssen.

Da der Rentabilitätsplan eine wichtige Größe für ein Unternehmen oder eine Existenzgründung ist, sollte die Planung eines Rentabilitätsplans sorgfältig erfolgen. Wesentlich dabei ist, dass tatsächlich alle anfallenden Kosten berücksichtigt und die zu erwartenden Einnahmen realistisch veranschlagt werden. Bei einer Existenzgründung wird der Rentabilitätsplan in der Regel für die ersten drei Jahre erstellt, unter Umständen können aber auch andere Zeiträume sinnvoll sein (jährlich, monatlich). Zwingend erforderlich wird ein Rentabilitätsplan, wenn Fremdmittel beantragt werden. Aber auch wenn dies nicht der Fall ist, ist eine Erstellung sinnvoll, da dadurch Kosten und Aufwände konkretisiert und planbar werden.

Beispiel für eine Rentabilitätsplanung

Zuerst einmal sollte man eine Auflistung der Kosten erstellen. Diese Kosten können beispielsweise sein: Büromiete, Materialkosten, Personalkosten, Verwaltungskosten, Kosten für Firmenfahrzeuge, Kosten für Werbung und Marketing, Kosten für Steuer- und Rechtsberatung, Kosten für Versicherungen, Investitionen, Zinsbelastungen, etc. Bei umfangreicheren Investitionen ist ggf. zusätzlich die Erstellung eines Investitionsplans erforderlich.

Die Ermittlung des erwarteten Umsatzes ist eine geschätzte Größe. Um diese realistisch einschätzen zu können, muss zuvor eine detaillierte Marktanalyse erfolgt sein, welche die Schätzung der Erträge plausibel begründet. Wie bereits erwähnt, sollte hier besonders sorgfältig vorgegangen werden, da eine unrealistische Einschätzung des Marktes einer der größten Stolpersteine für Existenzgründer und Unternehmen ist. Auch eine solche Marktanalyse ist unabdingbarer Bestandteil eines Businessplans.

Von den geschätzten Umsätzen werden dann die Kosten abgezogen.

Muster und Vorlagen für die Erstellung eines Rentabilitätsplans

Im Internet gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich kostenlos eine Vorlage für einen Rentabilitätsplan herunterzuladen. Auch die direkte online-Erstellung ist möglich. Viele dieser Angebote bieten unterstützende Hilfeleistungen, wie beispielsweise Excelfunktionen zur Berechnung der einzelnen Werte. Besonders Existenzgründungsportale halten hier ein umfangreiches Angebot bereit. Diese Vorlagen und Muster dienen jedoch nur der reinen Berechnung der eingetragenen Werte. Die Vorarbeit zur Ermittlung realistischer Werte muss durch den Existenzgründer bzw. Unternehmer selbst erfolgen.

Bei umfangreichen und komplexen Vorhaben kann es durchaus sinnvoll sein, einen Steuerberater bei der Erstellung der Rentabilitätsvorschau hinzuzuziehen. Unterstützung gibt es auch bei verschiedenen Existenzgründungsberatungsstellen.

Die Liquiditätsplanung

Aufsetzend auf die Rentabilitätsplanung kann dann die Liquiditätsplanung erfolgen. Hier gilt genauso wie bei der Rentabilitätsplanung: je realistischer, desto erfolgreicher. Als Existenzgründer und Unternehmer muss man immer eine detaillierte Übersicht darüber haben, welche Verbindlichkeiten wann bedient werden müssen.

Eine kontinuierliche Liquiditätsplanung ist die Grundlage für wichtige unternehmerische Entscheidungen. Wenn die Liquidität ins Wanken gerät, müssen entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, um eine drohende Insolvenz abzuwenden. Diese Maßnahmen können unterschiedlicher Natur sein. Beispielsweise kann versucht werden, die Rentabilität des Unternehmens zu erhöhen, zum Beispiel durch Kostensenkung und/oder durch die Steigerung des Umsatzes. Aber auch die Aufnahme oder Verlängerung eines Kredits kann zu solchen Maßnahmen gehören. Entscheidend für den Erfolg eines Unternehmens ist, dass der Handlungsbedarf früh genug erkannt und die Maßnahmen zeitgerecht ergriffen werden.

Sowohl die Rentabilitäts- als auch die Liquiditätsplanung sind deshalb wichtige Steuerungselemente der Unternehmensführung, die kontinuierlich erstellt werden sollten. Besonders Existenzgründer sollten darüber hinaus auch eine persönliche Liquiditätsplanung vornehmen.

(Autor: Marie Veron)